When I dream
13.07.07 Das Kind das nie aufhörte Fragen zu stellen

Das Kind das nie aufhörte Fragen zu stellen

Erbärmliche Scheiße!
Nichts anderes fällt mir dazu mehr ein. Was die Menschen nicht alles machen um sich über ihr schreiendes Herz hinweg zu trösten. Wollen sie es denn nicht hören? Das Kind in ihnen das nie aufgehört hat Fragen zu stellen, das weint weil es keine sinnvolle Erklärung findet und dennoch alles Unrecht über sich ergehen lassen muss? Es ist genau wie früher. Nur das man aufgehört hat Fragen zu stellen. Weil man die Antwort bereits auswendig kennt, ja sie sogar schon fürchtet.
Wie aus bespielten Tonbandseelen kommt sie wie aus der Pistole geschossen um jede noch so begründete Frage im Keim zu ersticken.
So leben die Menschen in ihrem Musterleben. Verleugnen sie den einen Teil in ihnen der all das Gute, all ihre Unschuld repräsentiert. Das Gesicht grau und erstarrt. Kaufen sich die neuesten Sachen um sich abzulenken, das Kind ruhig zu stellen, es zu vertrösten wie damals an der Kasse als noch ein Lolli reichte um die Tränen runter zu schlucken, hinweg zu trösten über all die Fragen auf die nicht mal sie oder ihre Bücher eine Antwort hatten, all die Fragen die sie nur mit einem hilflosen " Weil es einfach so ist!" beantworten konnten.
Sie ertränken es in Alkohol. Sie kiffen es zu Bett. Arbeiten es tot. Ficken. Fernsehen. Einkaufen. Verletzen. Immer mehr, mehr, mehr...Mehr Drogen! Mehr Kapital! Mehr Fernsehen! Mehr Urlaub! Mehr Klamotten! Mehr Kosmetik! Mehr Wohnen! Mehr Veränderung! Mehr Sex! Mehr Gewalt! Mehr geile Scheiße aus dem Supermarkt, rund um die Uhr....weil die Schreie immer lauter werden die sie wie besessen versuchen zum Schweigen zu bringen.
Fick mich ich will leben! So sehr sehnen sie sich danach. Nach dem Funken den sie selbst schon so routiniert ersticken das sie es nicht ein mal mehr bemerken. Manche verletzen sich um es mit dem Schmerz zu fühlen, manche suchen es sich in körperlicher Liebe. Es ist egal was. Hauptsache mehr.
Irgendwo muss er doch sein dieser eine, lebendige Funke. Vielleicht ist er ja irgendwo in der nächsten Cornflakespackung, in der nächsten Beförderung oder irgendwo auf dem Grunde der bis zum Rande gefüllten Kaffetasse.
Und das Kind stellt weiter Fragen, hört einfach nicht auf.
Sie schlucken Pillen gegen Depressionen. Suchen im Zen alles zu vergessen. Das Jetzt! Einfach alles vergessen! Yoga, Meditation, Räucherstäbchen, Globulis, Gott...
Doch auch er wird ihnen nicht sagen das sie es richtig machen. Denn "er" ist im Grunde nichts anderes als das kleine Kind, das nicht aufhört Fragen zu stellen. Der Lehrmeister in ihrem Herzen. Der Weg den sie zu vergessen suchen.
Sie verstecken ihre Frustration hinter Zynismus, hinter Lästereien. Stauen sie auf um sie in gewalttätigsten Orgien frei zu lassen. Schreiend, peitschend vergewaltigend, mit wiederwärdigsten Träumen von Macht und Gewalt.
Und sie werden immer kränker. Die psychosmatischen Erscheinungen immer mehr.
So gehen sie zu Ärzten in dem Glauben das diese etwas ändern könnten. Stattdessen geben auch diese ihnen nur Mittel, die zwar die Symptome bekämpfen, doch das blutende Herz noch lange nicht heilen können.
Sie arbeiten sich immer tiefer in ihre eigene Abhängigkeit, versetzen sich in eine Art Rauschzustand, eine Extase, welche sie während dieses allen verschlingenden Tanzes alles vergessen lässt.
Nimmt man ihnen all das weg fangen sie an zu weinen, sich zusammen zu krümmen weil sie es in der Stille wieder schreien hören können. Das Kind das niemals aufhörte Fragen zu stellen.
Sie stellen sich vor den Spiegel und können kaum mehr Lächeln. Das ungeschminkte Gesicht eingefallen und kraftlos. Doch es hört nicht auf. Es geht immer weiter, immer weiter, weiter, weiter steigern sie sich in alles rein was ihnen hilft es einfach zu überhören. Das Wimmern, tief in ihnen drin. Das unter all der braven Anpassung, der Ausbildung und all den Papieren, die ihnen bescheinigen wie sehr sie sich schon verkauft haben, vergraben liegt. Bis es irgendwann still in ihnen wird und sie es endlich geschafft haben. Dann ist dort in den seelenlosen Augen auch kein Funke mehr. Nichts mehr was sie von innen heraus verbrennt. Nichts mehr was sie plagt, was ihnen weh tut. Von innen heraus schreit. Denn dann ist es stumm. Das Kind das niemals aufhörte Fragen zu stellen.
Und wenn dann Kinder an ihnen vorbei gehen und ihnen lachend in die Augen sehen, werden sie traurig.
Traurig in kalter Erinnerung an das, was sie verraten und im Namen einer besseren Welt gekreuzigt haben.
Und in perfektionierter, eingearbeiteter kristallener Kälte, fällen sie ebend jenes Urteil, welches damals schon ihren eigenen, einzigartigen, lebendigen Funken erstickte.
Über das Kind das nie aufhörte Fragen zu stellen.

Jan - Eike Wilmsmeyer
Mainzholzen, Freitag den 13.07.07
12.5.10 18:30
 


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